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Bericht über die 3. Boogie Woogie Night in Rheinfelden

Am Samstag, 9. April wurde im Hotel Danner ordentlich Boogie Woogie getanzt.

Artikel der badischen Zeitung vom 12.4.2016:

RHEINFELDEN. In einem Ameisenhaufen hätte kaum mehr Wuseln und Gewimmel herrschen können als auf der Tanzfläche im Hotel Danner am Samstagabend. Mehr als 110 Tänzer aus Rheinfelden und einem Umkreis bis Schaffhausen und Karlsruhe ließen in der 3. Boogie Woogie Night nicht nur ihre Hüften, sondern vor allem auch ihre Fersen kreisen.

Wenn man Boogie-Woogie-Tänzern zusieht, achtet man automatisch auf die Füße. Nicht nur die Schuhe sind bei eingefleischten Anhängern dieses lebensfrohen Musikgenres ein echter Hinkucker: Weit mehr als bei Standardtänzen wird der Rhythmus nicht nur in den Schenkeln sondern auch in Füßen in Bewegungen umgesetzt. Das ist einer der Gründe, warum das Ehepaar Beate und Helmuth Rieger, die den Boogie Woogie seit zwei Jahren in Rheinfelden heimisch machen, diesen Tanzstil als einen der anspruchsvollsten bezeichnen.

Das bestätigt auch Raimund Fahrner aus Nollingen: "Der größte Unterschied zum Standardtanz ist die Möglichkeit, frei zu interpretieren. Das ist zugleich eine große Herausforderung, weil man die Verantwortung übernehmen muss; aber meine Frau und ich sind ein perfektes Team." Die Fahrners tanzen seit der Boogie Woogie Night vergangenes Jahr regelmäßig in der Rieger-Gruppe, die sich gewöhnlich freitags im Danner trifft. Eva Fahrner wurde aber bereits kurze Zeit zuvor vom Boogie-Woogie-Virus infiziert: "Ich habe in der Museumsnacht Basel eine Tanzgruppe erlebt und bin nicht mehr weggekommen davon. Es hat mich so fasziniert, welche Freude die beim Tanzen haben."

Die Petticoats fliegen über das Parkett: rot, blau, schwarz sind sie und szeneecht mit weißen Punkten. Ein Tanz, der offensichtlich jung hält, denn unter 40 ist hier kaum jemand auf der Tanzfläche. Zwei junge Damen, die stilecht gekleidet sind, kann Helmuth Rieger bei einer Ansage ausmachen: "Schön, dass auch Jugendliche heute hier sind", sagt er: "Aber schade, dass ich keine gleichaltrigen Männer sehe." Tatsächlich ist das Geschlechterverhältnis beim Boogie Woogie noch problematischer als beim Tanzen generell: "Viele Frauen würden gerne bei uns tanzen, haben aber keine Tanzpartner", sagt Beate Rieger. Tatsächlich sei die selbstverantwortliche Führung beim Boogie Woogie vielen Männern zu viel Arbeit und überfordere sie in physischer Hinsicht.

Viele Schweizer tanzen in Rheinfelden

Hoffnung in die Szene bringen Männer wie der Hertener Thomas Grundner: Er gehört zu den vielen Männern jeder Generation, die das Tanzen in ihrer Jugend nie gelernt haben. Aber mit über 50 Jahren habe es ihn doch gepackt, erzählt er. Auf den allgemeinen Tanzkurs mit seiner Frau Carmen sei die Spezialisierung auf den Boogie Woogie gefolgt. Warum gerade einen der anspruchsvollsten Tänze? "Ich will die Messlatte natürlich nicht zu niedrig ansetzen", lacht Grundner.

Auf der Tanzfläche wechseln sich Turns und Spins ab, es wird rotiert und gewickelt; und immer wieder lässt sich eine Dame in die Arme ihres Tanzpartners fallen, jener Männer, die den Mut und die Ausdauer zur eigenverantwortlichen Führung aufbringen. Auf der Bühne spielt eine Band, die Ahnung von all diesen Dingen hat, wie schon ihr Name "Head over Heels" (Hals über Kopf, wörtlich: Kopf über Schuhabsätzen) sagt.

Heribert Dohmen aus Warmbach weiß das zu schätzen: "Die Kapelle ist sehr gut. Sie ist speziell auf Boogie Woogie ausgelegt." Boogie Woogie ist nur einer von vielen Tänzen, die er tanzt; aber an diesen Abend hat er sogar seine Lebensgefährtin Naina Behringer aus Heidelberg mitgebracht. Nach einer 20-jährigen Pause hat sich Dohmen wieder ans Tanzen gewagt. Er und Behringer genießen vor allem die familiäre Atmosphäre in der Szene: "Man merkt, dass sich die Leute kennen."

Die Boogie-Woogie-Szene am Hochrhein ist vor allem eine schweizerische. Jenseits des Rheins hat das Tanzgenre wesentlich mehr Anhänger und auch weniger Nachwuchssorgen. So kommt nicht nur die Band, sondern auch die Tanzgruppe "Pink Cadillac" aus dem Raum Solothurn: Sie bringen nicht nur das Welt-, Europa- und Schweizermeisterpaar Sonja und Francesco Secchi und eine Nachwuchstruppe mit auf die Tanzfläche sondern auch eine Synchron-Tanzgruppe. Synchrone Bewegungen und individueller Boogie Woogie – eigentlich ein Widerspruch. Helmuth Rieger schmunzelt: "Aber es ist einfach eine Augenweide."